leicht zensiert von Raoul Langner:

Quelle: http://georgiosp.blogspot.com/

aus "Des Spielers Chronik" von Georgios aka Joe

Die Odyssee ist vorbei und diesmal habe ich eher gemischte Gefühle, was den Con angeht. Im Großen und Ganzen war es eine unterhaltsame und ansprechende Convention. Die Spielrunden schienen mir gut besucht, und die Stimmung war entspannt. Allerdings war der Con sowohl vom Rundenangebot als auch von der Besucherzahl merklich kleiner als in den Vorjahren. Anders als in den Jahren zuvor lief die Werbetrommel, um ein vielfaches später und um einiges schwächer an als sonst. Das Geschwätz was die Spieleinschränkung bei der Odyssee angeht, ist ja mittlerweile ein akzeptiertes Übel; aber dass ausgerechnet die Platzreservierung im Vorfeld verrissen wurde, hat meine Lust auf das Odyssee-Wochenende schon gebremst. Glücklicherweise rollte das Wochenende dann doch sehr entspannt und unterhaltsam an, was nicht zuletzt daran lag, dass die Dogmatiker und Spielstilfaschisten zu Hause geblieben waren und man so das tun konnte, was man auf der Odyssee eh am Liebsten macht: mit neuen Leuten spielen und mit alten Bekannten quatschen.

Mein Odyssee 2010 Programm war:

Freitag Abend: Fiasco Ein entspannter und hoffentlich unterhaltsamer Einstieg in den Con. Spielleiterloses Rollenspiel mit lockeren Regeln und einem vermutlich eher pechschwarzen Humor.

Sonnabend Vormittag: Maid Ein Comedyrollenspiel für Animefreunde und solche die von so was keine Ahnung haben. Wie ich zum Beispiel. Ein sehr überdrehtes und albernes Rollenspiel über Hausmädchen und ihre wilden Aufgaben, während sie versuchen den Haushalt und die Launen des Hausherren zu handhaben.

Sonnabned Nachmittag: Primetime Adventures Nach langer Zeit hat mich wieder die Lust gepackt einen Klassiker zu leiten. PTA hat mich bisher fast immer gut beraten.

Sonnabend Nacht: Das Odyssee Quiz ??? Auch dieses Jahr habe ich wieder das Quiz geleitet bei dem man Preise gewinnen kann, die bedeutungslos sind und Fragen beantworten, die absurd sind.

Sonntag Mittag: Workshop zur Kampagnenvorbereitung Diesmal wird der Sonntag statt für eine verschlafene und erschöpfte Spielrunde für einen Workshop genutzt, in dem es um Kampagnenvorbereitung geht. Ein hoffentlich informativer und hilfreicher Ausklang für den Con.

Meine drei Runden blieben ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück. Die Fiascorunde am Freitag Abend war da noch die für mich erfolgreichste Runde des Wochenendes. Trotz einer leichten Überbelegung (die dazu führte, dass ich kurz nach Beginn aus dem Spiel austritt um den anderen ein schnelleres Spiel zu ermöglichen) entwickelte sich alles flink und flüssig. Die Spieler fanden sich nach kurzer Zeit zurecht und das Fiasko nahm seinen Lauf. Allein der für mich sehr extreme Sprung zwischen brachialem Humor und menschlicher Grausamkeit war mir ein wenig zu viel. Etwas mehr Feingefühl in beiden Extremen, hätte mir zugesagt und wäre meinen Vorlieben näher gekommen. Allerdings ist das bei einer Con-Runde vielleicht etwas zu viel verlangt. Davon abgesehen lief die Runde gut und hat den Spielern, wie ich denke, gefallen.

Der Sonnabend hingegen begann für mich mit schlechtem Schlaf, viel zu viel Kaffee und dem Gefühl aufgeputscht, aber dennoch energielos zu sein. Ein Punkt, der sich noch als nachteilig herausstellen sollte. Im Vormittagsblock habe ich eine vollbesetzte Runde Maid geleitet. Ein Comedy-Anime-Rollenspiel, in dem die Spieler Hausmädchen spielen. Die Spieler haben sich gleich für das Auswürfeln neuer Charaktere ausgesprochen und nach ein paar Minuten, hatten wir es mit einem Cyborg, einem mordenden Geist, einer Dämonen beschwörenden Prinzessin, einer Spionin und einem magischen Wesen, das verstorbene Seelen ins Jenseits begleitet zu tun. Die Charaktererschaffung machte damit den quirlig überdrehten Stil des Spiels recht gut deutlich, so dass die Spieler schon bald auf Augenhöhe sprachen und interagierten. Es störte sich daher auch niemand daran, dass durch Versprecher, Missverständnisse und Google-Vorschläge schon bald jemand 50kg Cannabis (sprich: Kanapee) ins Haus lieferte. Auch wurde der Kampf gegen den 12m-grossen-Babyroboter im Vorgarten oder die christlich-fundamentalistischen Selbstmordattentäter, die sich als Tanzlehrer ausgaben oder den Schlangendämon, der von Fr. Schmidt dermaßen ausgeschimpft wurde, dass er kleinlaut anfing das von ihm beschmutzte Zimmer zu säubern, lediglich als Teil der normalen Arbeit eines Hausmädchens akzeptiert. Es war ein sehr lustiges Abenteuer. Und das trotz der Tatsache, dass ich vor allem mit Zufallstabellen und halb-erinnerten Abenteuerfragmenten spielleiten musste.

Im zweiten Spielblock leitete ich dann Primetime Adventures. Und hier machte mich mein Energietief und Kaffeeüberschuss dann endgültig alle. So fielen mehrere bedauernswerte Dinge zusammen und die Runde zog sich bald mit einer schwer erträglichen Langsamkeit durch die Stunden des Blocks. Für mich gleich doppelt frustrierend, weil es immer schmerzt wenn man neuen Leuten eines seiner absoluten Lieblingsspiele vorstellen will und eine derart schleppende Runde das Resultat ist. Wäre ich etwas fitter gewesen, hätte ich womöglich besser auf die Spieler eingehen konnten, die vielleicht eine etwas reaktivere Spielerrolle erwartet oder bevorzugt hätten. Selbst der Wechsel von unserem ursprünglichen - wenig ausgearbeiteten und kaum dynamischen - Konzept auf Star Trek: TNG hatte lediglich zur Folge, dass ich wieder Lust auf eine Star Trek-Kampagne bekam. Den enttäuschenden Block konnte sie jedoch nicht retten.

Vor und nach dem Abendblock am Sonnabend leitete ich wieder das Quiz und ich war von der Teilnahmezahl positiv überrascht. Viele der Änderungen, sowohl die Aufteilung in Weicheier-Fragen und Echte-Nerds-Fragen wie auch das Auswürfeln der Punkte bei jeder Frage, schienen mir gut anzukommen und den Spaßcharakter des Quiz besser zu unterstreichen, als es die letzten Jahre der Fall war. Demnächst sollten die Fragen auch auf der Webseite der Odyssee erscheinen. Vielleicht kann sich dann der eine oder andere ein Bild davon machen. Besonders erfreut hat mich jedoch die Tatsache, dass das Quiz augenscheinlich das erfüllt hat, wofür es konzipiert wurde: Odysseebesucher zusammen und ins Gespräch zu bringen. Das Quiz war ein persönlicher Erfolg für mich (Anmerkung des Zensors: mir hats ausgespochen gut gefallen, war es doch einer der wenigen Punkte die ich mitbekommen habe!).

Kurz nach Mitternacht - als sich mein Energiepegel wieder ein wenig normalisiert hatte - packte ich noch mal Space Hulk: Todesengel aus. Schnell waren noch 5 weitere Spielfreunde gefunden und wir stellten uns dem Symbiontenpack. Trotz einiger Verluste (2 Spieler schieden völlig aus) konnten wir den letzten Symbiarchen erlegen und die Mission zu Ende bringen. Das Spiel lief spannend, nicht zuletzt weil sich jeder als wichtiger Bestandteil des Teams einbringen konnte.

Am Sonntag erschien ich ausgeschlafen und mit vollen Energiereserven um 12 Uhr, um den Workshop zum Thema Kampagnenvorbereitung los zu treten. Wir waren ein kleiner Kreis von 7 Leuten und sprachen gut 3 Stunden über das Wie und Warum von Kampagnen. Es war angenehm sich mal mit anderen Spielleitern zu unterhalten und Erfahrungen auszutauschen, ohne dabei auf die Macken und Probleme von Forendiskussionen zurückzugreifen. Ich hoffe die anderen konnten ein paar neue Ideen oder zumindest Denkanstösse mitnehmen. Ich fand es sehr hilfreich mal von Spielleitern zu hören, die ganz anders spielleiten als ich selbst. Vor allem empfand ich es als sehr aufschlussreich zu hören welche Schwierigkeiten und auch Selbstverständlichkeiten sie beim Leiten sahen.

Der Sonntag Abend lief dann am Nachmittag ein wenig aus. Leider hatte ich keine Zeit im Anschluss beim Essen mit der Orga dabei zu sein. Allerdings wurde mir das durch ein durchweg fantastisches Kabarett-programm am Abend ausgeglichen, der Zensor konnte feierlich den 70igsten der Tante begehen und bedauerte den fehlenden Orga-Abend auch nicht so sehr.

Ein wenig war mein Odyssee-Wochenende getrübt, aber der Besuch hat sich für mich gelohnt und trotz meiner Zweifel im Vorfeld, werde ich mit Sicherheit 2011 wieder die Odyssee fest einplanen (und der Zensor spielt - warum auch immer - wieder Chefkoch).