Weit liegen Filme und Rollenspiel nicht immer auseinander. Und wenn man beim Film mal wieder nur Konsument sein konnte und die Geschichte nicht beeinflussbar war, dann könnte das Spielen noch ideenreicher werden.
Diese These lehnt sich zugegebener Weise recht weit aus dem Fenster, aber probiert haben wir es trotzdem. Im passenden Ambiente (das Drugstore ist ein selbstverwalteter und vom Land geförderter Jugendclub, der mit seiner punkigen Atmosphäre überzeugt) sollte die eher pessimistische Zukunft Thema sein. Cyberpunk und Shadowrun sind die beiden bekannteren Namens gebenden "Dark-Future-Systeme".
Als ich als Organisatorin 7 Minuten zu spät ankam, stand schon eine recht große Traube von Leuten vor dem Gebäude. Von dem Schlüsselmeister nur die Nachricht, er verspäte sich etwas. Dem warmen Wetter sei Dank, war die Kennenlernphase deshalb recht angenehm und irgendwann tauchte auch derjenige auf, der uns rein lassen konnte. Im Treppenhaus schon der passende Geruch nach abgestandenem Rauch und verschüttetem billigen Bier vom Vorabend. Im Drugstore erwartete uns jedoch erfreulich frische Luft.
Nach einem schnellen Aufbau konnte der Film "Strange Days" von 1995 mit nur einer guten halben Stunde Verspätung beginnen. In meiner Erinnerung war er allerdings ein wenig actionreicher, wie die gut 180 Minuten zustande kommen, war mir nicht mehr klar, jetzt weiß ich es wieder. Ich fand den Film trotz allem noch einmal sehenswert.
Leider führten Überlänge und Verspätung zu einem Schwund an Spielern, so dass wir am Ende nur noch drei Spielrunden hatten - außer zwei Shadowrunrunden bot Holly eine Runde passend zum Film nach World-of-Darkness-Regeln an. Meine Runde hat mir trotz der dann doch nicht ganz so beabsichtigten Spiellänge Spaß gemacht. Einen Rollenspielneuling hatte ich auch dabei, und ich hoffe, es lag nicht an der Höflichkeit, dass er sich nachher nicht negativ äußerte.
Um elf Uhr des Nachts war dann alles vorbei, und wir fuhren nach Hause. Ich glaube, solch eine Veranstaltung ist wiederholungswürdig, ein paar Verbesserungen können aber nicht schaden und die Filmauswahl sollte nicht unbedingt aus dem Gedächtnis, sondern nach vorheriger Sondierung erfolgen.
Mir hat's jedenfalls Spaß gemacht, auch wenn ich leider nicht heraus gefunden habe, ob sich Film schauen wirklich positiv auf die Kreativität auswirkt. Vielleicht finde ich ja in absehbarer Zeit wieder eine Möglichkeit, so etwas zu organisieren - dann kann ich das noch einmal überprüfen.


